
Bettina Weist: Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet
Gladbeck – 31.05.2026 – Schwarte-Desaster – Bereits zum vierten Mal bestimmen Schlagzeilen die Causa „Schwarte“. Immer wieder wurde der Öffentlichkeit suggeriert, dass man Erfolg vermelden könne. Es begann mit dem Kauf der Schrottimmobilie, für die die Stadt insgesamt 1,6 Mio Euro hingelegt haben soll. Ohne, dass ein unabhängiges Wertgutachten erstellt wurde.
Weiter ging es mit der Bauchlandung eines angeblich geplanten „Jazzcafés“ das schon in trockenen Tüchern sei. Es folgte die „Vermarktung“ des einmalig großen Coups mit zwei Gladbeckern, die aber kurz vor Vertragsabschluss hinwarfen. Und nun, zwei Jahre nach dem Kauf, soll ein „Wirtshaus“ den Verantwortlichen im Rathaus den A… retten.
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Doch lassen wir das Schwarte-Desaster noch einmal Revue passieren
Zur Jahreswende 2023/24 kursierte das Gerücht, dass die Stadt Gladbeck das „Rathaus-Café Schwarte“ gekauft habe. Die Neue Gladbecker Zeitung berichtete als erste darüber. Die Inhaber des Rathaus-Café-Schwarte, wollten sich zur Ruhe setzen. Seit mehr als einem halben Jahr suchten sie einen Käufer. Nun schlug die Stunde der Drahtzieher im Rathaus. „Geködert“ hat die Stadtverwaltung die Lokalpolitiker mit der Aussicht, dass man wieder einmal Fördermittel des Landes sinnvoll einsetzen könne. Im Zuge der Überplanung und Neugestaltung des Rathausvorplatzes ließe sich auch das Rathaus-Café unterbringen. Und wenn man günstig kauft und die Immobilie höher bewertet in den Haushalt einbringt, habe man einen Vorteil für den städtischen Haushalt erbracht. Das klingt allerdings wie die Buchungsmethoden von Klein-Erna und macht deutlich, auf welchem Treibsand der städtische Haushalt wirklich steht. Dem Vorschlag der Stadt, die Immobilie anzukaufen, folgte die Politik im Wirtschaftsförderungs- und Bauausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung am 30. November 2023 einstimmig.
Fazit: Wäre die Stadt Gladbeck ein Unternehmen oder gar ein Privatmann – keine Bank der Welt hätte für den Kauf Geld rausgerückt.
Nur einen Tag nach unserer Veröffentlichung (über 7.000 Leser in 30 Stunden) nahm die CDU Stellung: „Die CDU hat diese Entscheidung dennoch mitgetragen. Wir sehen es als notwendig an, dass auch in Zukunft der Rathausplatz ein angemessenes äußeres Bild abgibt. Wir erwarten von der Stadt Gladbeck, dass ein langfristiger Mieter gefunden wird der zur hervorgehobenen Umgebung passt, idealerweise mit einer bürgerlichen bis gehobenen Gastronomie.“
Auf gut Deutsch wird hier gesagt, was fast alle Ratsmitglieder und Verwaltungsleute im Vier-Augen-Gespräch sagen: „Man wolle verhindern, dass gegenüber dem Rathaus weitere Migranten das Stadtbild prägen“. Rassismus in reinster Form!
Kommen wir zum Teil zwei des Schwarte-Desasters
Schon im Mai 2024 verkündete die Bürgermeisterin mit großem Tam Tam: „Ich freue mich sehr, dass es bereits jetzt eine Nachfolgelösung für das Ratshauscafé Schwarte gibt“, sagt sie bei der Vorstellung der neuen PächterInnen Viktoria Schneider und Pedro Daniel Benitez Fernandez, die das traditionsreiche Café am Rathausplatz übernehmen wollten. Die Stadt Gladbeck, bzw ihre Wirtschaftsförderung hatten sich die größte Mühe gegeben, um den beiden Alleinstellungsmerkmale zu verschaffen. Das war auch nötig, denn es soll eine zweistellige Zahl von Bewerbern, überwiegend aus migrantischem Milieu gegeben haben.
Und so kam man auf die abstruse Idee eines „Jazzcafés“. (wir berichteten hier) Die Vita der zwei bot da allerdings keine Bezugspunkte. Was wurde da vom Leder gezogen! Die Rede war von „exzellenten Kaffeespezialitäten mit Frühstücksoptionen“, „genussvollen Getränken“, „klassisch deutschen Speisen“, „moderne leichte Gerichte am Abend“, „abgerundete Atmosphäre durch verschiedene Jazz-Variationen“, „ruhige Außengastronomie im Hof des Jazz Cafés“ (PS: den Hof, in dem man sitzen möchte, soll mir mal jemand zeigen). Man scheute sich auch nicht, eine kleine eigene Kaffeerösterei und Salsakurse zu erwähnen!
Was wurde daraus? Erst stieg Pedro Daniel Benitez Fernandez aus und einige Wochen später auch Viktoria Schneider.
Fazit: Volle Bauchlandung der Bürgermeisterin!
Weiter ging es im Teil drei mit zwei Gladbecker Bewerbern
So langsam geriet die Rathaus-Mischpoke in Not. Die Zeit drängte, die nächsten Kommunalwahlen standen vor der Tür. Was liegt da näher, als die „Rettung“ vor der eigenen Tür zu suchen. Man fand sie in Gestalt eines Gladbecker Gastronomen, der „um die Ecke“ ein kleines Bistro führte. (Die NGZ berichtete wieder als erste Zeitung darüber hier) Zusammen mit einem Kumpel (ehemals Koch in einer renommierten Gastronomie in einer Nachbarstadt) sollte es klappen.
Noch hielt die Stadt ihre Ansprüche aufrecht: deutsche Küche, täglich geöffnet für: Frühstück, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen und Abendgastronomie. Die Preise sollten im Mittelfeld liegen.
Wie ging es nun mit der „NeverEnding Story“ weiter?
Ganz offensichtlich hatte die Bürgermeisterin die Form nicht eingehalten. Die CDU forderte nun einen Sachstandsbericht und schrieb: „Das Erreichen der „Zielgeraden“ ist zwangsläufig mit Planungen und Vertragsabschlüssen verbunden. Der Fachausschuss sollte aber über das Auswahlverfahren und die konkrete Planung vor einer der endgültigen Vermietung informiert bzw. beteiligt werden… Die bloße Bekanntgabe des Konzepts nach Abschluss des Mietvertrages einschließlich der finanziellen Auswirkungen in der nächsten Sitzung sei mit einem Übergehen des Fachausschusses verbunden. Auf Informationen und etwaige Nachfragen käme es dann final nicht mehr an. Sie wären nach einem Vertragsabschluss quasi obsolet“.
So nach und nach kam raus, dass die beiden Interessenten etwa die Hälfte Kosten der Gebäudesanierung übernehmen sollten. Die andere Hälfte wollte die Stadt Gladbeck tragen. Zusammen mit den 1,6 Mio Euro für den Kauf hinge die Stadt mit 2,1 Mio. in dem Projekt. Wirtschaftlich eine Katastrophe für alle Beteiligten! Die Jungunternehmer hätten sich hoch verschulden und zusätzlich noch eine immense Pacht zahlen müssen.
Es kam wie es kommen musste. Der Koch zog die Reißleine und stieg aus – kurze Zeit später tat das auch der verbliebene Interessent.
Fazit: Wieder eine Bauchlandung der Bürgermeisterin!
Und nun die vierte Episode – wird es die letzte sein?
Aus den Fehlern der vergangenen 2 1/2 Jahren scheint man bei der Stadt gelernt zu haben. Mit dem nun „verkauften“ Wirtshauskonzept wurden einige Anforderungen über Bord geworfen:
o Vorteil: Migranten von dem Standort fernzuhalten ist nicht gelungen. Vom Inhaber, über die Geschäftsführung, bis hin zum Architekten, kommen alle aus dem Bereich der Migration. (PS: Die NGZ hatte diese Einschränkung der Stadtpolitik von Anfang an kritisiert)
o Nachteil: Das Wirtshaus ist eine Systemgastronomie. Organisiert wird es von der Mezzomar-Gruppe, die inzwischen rund 11 Mezzomar-Restaurants, das Mezzotel in Gladbeck und drei Wirtshäuser in Mülheim, Neuss und Moers betreibt.
Wobei die Angaben zu den drei bereits bestehenden Wirtshäusern recht fadenscheinig sind. Im Ältestenrat wurden die drei Standorte genannt. Verifizieren ließ sich durch Internetrecherchen nur der Standort Moers – dort gibt es ein KöPi-Wirtshaus erst seit April 2026. Wir haben natürlich die Mezzomar-Gruppe und die Stadt Gladbeck nach den Adressen gefragt. Die Mail an die Mezzomar-Gruppe kam als unzustellbar zurück. Die Pressesprecherin der Stadt, Christiane Schmidt, weiß offensichtlich auch nicht mehr, denn sie schrieb: „Hallo Herr Michalowsky, die Internetrecherche nehmen wir Ihnen nicht ab – die WAZ scheint es auch geschafft zu haben… Für weitere Infos zu den Wirtshäusern wenden Sie sich bitte an die Mezzomar-Gruppe.“
o Nachteil: Das bei Schwarte beliebte Frühstück wird es nicht mehr geben – das Wirtshaus öffnet erst um 12 Uhr.
o Nachteil: Zur Mittagszeit soll es eine „kleine Karte“ geben.
o Nachteil: Kaffee und Kuchen von 15 bis 17 Uhr – aber mit Sicherheit ein anderer Standard als bei Schwarte.
o Vorteil: Anders als bei Schwarte soll am Abend geöffnet sei. Sieben Tage in der Woche. Es bleibt abzuwarten, ob die im Pressegespräch offerierte Schweinshaxe realisiert wird. 😉
Und zu den Kosten der vierten Nummer? Die Mezzomar-Gruppe führt ihre Wirtshaus-Objekte jeweils mit einer eigenen GmbH mit einem Mindeststammkapital (25.000 Euro). Andeutungsweise erfährt man nur, dass der neue Betreiber die Kosten für das neue Inventar übernimmt.
Welche Kosten bei der Gebäudesanierung entstehen, wisse man erst im September nach einer gründlichen Bestandsaufnahme. Keine Andeutung zur Teilkostenübernahme (wie bei den vorherigen Interessenten) durch den neuen Wirtshausbetreiber. Wer rechnen kann, ist hier klar im Vorteil.
Es wird so aussehen, dass die Stadt Gladbeck zu den 1,6 Mio. Euro für den Kauf, noch einmal rund eine Mio. Euro für die Herstellung der Vermietbarkeit aufbringen muss. Die Rats-Lemminge werden das ganz bestimmt wieder abnicken. Jetzt haben sie sich schon so weit reingeritten, da kommt es darauf auch nicht mehr an.
Fazit: Erst mal besser als nix!
Perspektive: Eine weitere Bauchlandung ist nicht auszuschließen!
| Polizeibericht aus Gladbeck | Mitteilungen der Stadt Gladbeck |



Darf ich Kritik an dem Schwarte-Artikel äußern? Wenn die Verantwortlichen an dem schönsten Platz in der Innenstadt keine Dönerbude haben möchten, ist das verständlich, hat mit Rassismus wirklich nix zu tun. Darf ich daran erinnern, dass es dann dort kein Bier oder Wein zum Essen geben dürfte, aber das gehört für viele Restaurantbesucher einfach dazu. Cola oder Fanta zum Essen? Nein danke! Dann steht vielleicht noch der Schriftzug „Halal“ im Eingangsbereich? Das wäre ein Grund für mich, da nicht `reinzugehen! Die Stadt hat absolut richtig im Interesse der Bürgerinnen und Bürger gehandelt. Nebenbei gefällt mir auch die Bezeichnung „Schrottimmobilie Schwarte“ nicht. Dieser Betrieb hat jahrzehntelang sehr gute Arbeit geleistet. Vielleicht können sich einige Büromenschen nicht vorstellen, bei ständig großer Hitze schon frühmorgens in der Backstube zu stehen und dort unter Stressbedingungen zu arbeiten? Auch die Bedienung verhielt sich immer freundlich und hilfsbereit, die Toiletten waren sauber. Ich freue mich jedenfalls auf die Wiedereröffnung im nächsten Jahr mit einem guten Bier und einem guten Essen! Kuchen darf auch dabei sein, denn der war bei Schwarte immer Spitze!
Etwas widersprüchlich, der Kommentar: Es habe nichts mit Rassismus zu tun, wenn die Stadt gegenüber des Rathauses keine Dönerbude haben wolle. Dann aber schreiben: „Dann steht vielleicht noch der Schriftzug „Halal“ im Eingangsbereich? Das wäre ein Grund für mich, da nicht `reinzugehen!“
Kritik an den Eheleuten Schwarte liegt uns völlig fern. Da ist nichts zu beanstanden. Es ist auch verständlich, dass man nicht das Haus saniert, bevor man in den Ruhestand geht. Das wäre hochgradig unwirtschaftlich.
Tatsache ist aber, dass die Immobilie so nicht mehr vermietbar ist. In dem Zustand kann man sie getrost als Schrottimmobilie bezeichnen. Bis zu einer Wiedereröffnung ist es noch ein langer Weg. Und es bleibt zu hoffen, dass die Stadt bei der Verpachtung einer eigenen Immobilie die gleichen Maßstäbe anlegt, wie zum Beispiel an der Lambertistraße im ehemaligen Askania-Laden. Um die Genehmigung für ein Restaurant zu erhalten, muss der Pächter eine hohe Abstandssumme für fehlende Parkplätze (35) an die Stadt zahlen.
Das Problem stellt sich auch für das neue „Wirtshaus“!