Mai-Kundgebung fällt in Gladbeck aus

Mai-Kundgebung fällt in Gladbeck aus
Am 1. Mai wird es in Gladbeck keine Veranstaltung der Gewerkschaften geben. Nach mehr als 70 Jahren geht eine wichtige Tradition zu Ende.

Jahrzehntealte Tradition fällt mangelndem Engagement zum Opfer

27.04.2022 – Mai-Kundgebung – Traditionspflege wird in Gladbeck eigentlich großgeschrieben. Das konnte man eindrücklich beim Schützenfest am letzten Wochenende vor dem Rathaus beobachten. Dass jetzt aber erstmals die auch in Gladbeck traditionelle 1. Mai-Kundgebung nebst Demozug ausfällt, ist angesichts der bedrohlichen Weltlage, schon erstaunlich. Doch wenn man die letzten 15 Jahre Revue passieren lässt, versteht man, warum es so kommen musste.

Mai-Kundgebung lebt vom Engagement der Gewerkschafter

In der Ära Roland – Hübner – vorm Walde, wurden missliebige Gewerkschaftsführer rigoros „ausgetauscht“. So erging es beispielsweise Hans Karwig und Roger Kreft. In wohlkoordinierten Aktionen ersetzte man sie durch handzahme, wohlgefällige Gewerkschafter, denen es aber an Ausstrahlung und Rückhalt bei den eigenen Leuten fehlte. Die letzten Veranstaltungen wurden dann auch vom Personalrat der Stadt dominiert und nicht vom DGB als Veranstalter. Es kamen immer weniger Menschen zur Demo und zur Kundgebung, weil der Stil der Veranstaltung durchschaubar war und vielen „auf den Senkel“ ging.

TeilnehmerInnenschwund durch Kooperation mit den Kirchen nicht verringert

Den schon seit vielen Jahre zu beobachtenden TeilnehmerInnenschwund versuchte man dadurch abzumildern, dass man die Kirchen mit ins Boot holte. Vor der politischen Veranstaltung bot man den Religionsgemeinschaften am Rathaus eine Bühne und hoffte darauf, dass die TeilnehmerInnen anschließend auch in die Stadthalle zum 1. Mai kamen. Anfangs hatte man alles noch mit der heißen Nadel gestrickt und die islamischen Gemeinden vergessen. Das wurde schnell nachgebessert, nutzte aber nichts.

Wahlplakat der SPD 2012
Mit diesem Plakat warb die SPD zur Landtagswahl 2012

Jetzt ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen

Die Erkenntnis, dass man nun zwar aalglatte und politisch-stromlinienförmige Gewerkschafter ins Amt gehievt hatte, die aber nicht in der Lage sind, die Gewerkschaftsbewegung zu mobilisieren, kommt zu spät. Der 1. Mai fällt in Gladbeck komplett aus. Doch halt! Die SPD springt ein und kompensiert die politische Aktion mit Erbsensuppe. Die können sich Gladbecker im SPD-Büro bestellen. Von dort wird sie dann auch von den LandtagskandidatInnen nach Hause gebracht. Sonderlich politisch ist das allerdings nicht. Vor einigen Jahren titelte die SPD noch auf ihren Wahlplakaten: „Currywurst ist SPD.“. Hat jemand schon die Plakate mit: „Erbsensuppe bringt SPD.“ gesehen?

Der Ausfall ist während des Ukraine-Krieges doppelt schlimm

An diesem Tag stünde es den Gewerkschaften gut zu Gesicht, die Kraft der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung zu zeigen und ihre Forderungen zu unterstützen – auch in Gladbeck!

In vielen Städten kehren nach nach coronabedingter zweijähriger Pause die traditionellen Kundgebungen und Demonstrationen zum ersten Mai zurück. Wir brauchen heute dringender denn je die Solidarität, die die Gewerkschaften organisieren. Starke Gewerkschaften sind nötig – auch gegenüber den öffentlichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, wie zum Beispiel in der aktuellen Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsbereich. Sie sind ebenso gegenüber den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern der Privatwirtschaft nötig. Und selbstverständlich sind sie auch gegenüber der Politik nötig.

Starke Gewerkschaften sind nötig wie eh und je

Ohne starke Gewerkschaften wird es nicht gelingen, die „tariffreien“ Zonen in Deutschland zu schließen und die Spaltung am Arbeitsmarkt zu beenden. Starke Gewerkschaften könnten sich für eine gute Rente für alle im Alter und bei Erwerbsminderung einsetzen. Ohne sie wird es nicht den dringend notwendigen Politikwechsel geben. Ohne starke Gewerkschaften wird die Politik versucht sein, die gesellschaftlichen und finanziellen Lasten durch die Corona-Pandemie, den Klimaschutz und den Ukraine-Krieg auf die abhängig Beschäftigten, die sozial Benachteiligten und die Rentnerinnen und Rentner abzuwälzen. Dazu darf es nicht kommen!

DGB Gladbeck

Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzung des Autors bzw. der zu Wort kommenden Experten einfließt.

Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

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