Matthias Raith will Heilig Kreuz à la Christo verpacken lassen

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Matthias Raith will Heilig Kreuz à la Christo verpacken lassen
Unser Leser Heribert Houben hat mal veranschaulicht, wie die verpackte Heilig-Kreuz-Kirche aussehen könnte.

Ein künstlerisches Highlight im einem Vorort der Provinzstadt Gladbeck?

01.10.2021 – Matthias Raith – Dreht der ehemalige Vorsitzende des Bürgerforums Gladbeck e.V. jetzt völlig ab? Er schlägt vor, die Heilig-Kreuz-Kirche in Gladbeck Butendorf von den Nachfolgern des verstorbenen Verpackungskünstlers Christo zum Objekt einer Verpackungsaktion zu machen. Mit Vladimir Yavachev, dem Neffen und „Nachfolger“ Christos korrespondierte Raith bereits.




Arc de Triomphe in Paris - meisterhaft verpackt
Geht es nach Matthias Raith, wird die Heilig-Kreuz-Kirche in Butendorf zu einem Besichtigungsmagneten. Foto: Matthias Raith

Mit der Aktion will Raith auf das denkmalgeschützte Kirchenbauwerk aufmerksam machen. Die katholisch Kirche will sich von dem Gebäude trennen. Es gibt Pläne, daraus den dritten Teil des Butendorfer Ärztezentrums zu machen. Dagegen regt sich bei einigen Leuten Widerspruch. Sie kommen z.T. aus der Gemeinde. Eine organisierte Initiative aus  Gemeinmitgliedern zum Erhalt des Gotteshauses gibt es allerdings nicht. Die Neue Gladbecker Zeitung berichtete schon: „Heilig Kreuz in Butendorf – wie Kirche sich selbst abschafft“

Wem gehört die Butendorfer Kirche eigentlich?

Die Katholische Kirche schließt immer mehr Gotteshäuser.  Das ist dem Umstand geschuldet, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen. Deshalb ist es nur folgerichtig, weitgehend ungenutzte Kirchen zu schließen. Die Katholische Kirche ist schließlich ein Wirtschaftsbetrieb. Dort rechnet man eifrig. Nur ökonomisch sinnvolle Projekte stehen zur Förderung an.
Die Butendorfer Kirche wurde vom Kölner Industrie-Architekten Otto Müller-Jena in den Jahren 1912 bis 1914 errichtet. Die Katholiken in Butendorf haben in den letzten 110 Jahren über die geleisteten Kirchensteuern den monumentalen Bau mehrmals bezahlt. Nun soll er verschachert werden und der Konzern Kirche streicht das Geld ein.

In einer Mitteilung schreibt Matthias Raith:

„Auf der Grundlage der Kontakte, die ich in der vergangenen Woche in Paris geknüpft habe, besteht die Chance, die Heilig Kreuz-Kirche in Gladbeck zum Objekt einer Verpackungsaktion im Sinne von Christo und Jeanne Claude zu machen. Ich gebe Ihnen hiermit in der Anlage mein Schreiben an Vladimir Yavachev, den in New York lebenden Neffen von Christo Yavachev zur Kenntnis, der die Verpackung des Arc de Triomphe in Paris meisterhaft organisiert und durchgeführt hat.“

„Eine frühe Information und eine breite Unterstützung der Gladbecker und regionalen Öffentlichkeit für das Projekt wäre mehr als wünschenswert. Sie könnte aktiv zur Realisierung des Vorhabens beitragen.“

An den Neffen Christos schrieb Matthias Raith:

„Lieber Vladimir,

ich beziehe mich auf das Gespräch vom 27.09.2021 in Ihrer Zentrale in Paris. Wie angekündigt möchte ich Ihnen vorschlagen, bei der Verpackung der hiesigen Heilig Kreuz-Kirche mitzuwirken. Ich stelle Ihnen hierzu im Folgenden die ersten Eckdaten dar. Sie könnten für engagierte Künstler im Sinne von Christo und Jeanne Claude Grundlage für ein neues Verpackungsprojekt sein. Ein Foto der Kirche füge ich bei.

Die Heilig Kreuz Kirche steht mitten in der Metropole Ruhr, dem größten Industrierevier Deutschlands. Sie liegt in Sichtweite des Oberhausener Gasometers, dem Ort der Christo-Performances „The Wall“ und „Big Air Package“. Die Stoffe für die großen Christo-Verhüllungen wurden in unserer Nähe produziert. Um die Kirche herum wird 2027 die Internationale Gartenausstellung stattfinden.

Kirche aus der Blütezeit des Bergbaus

Erbaut vor mehr als 100 Jahren – in der Blütezeit des hiesigen Kohlebergbaus – ist die Kirche ein einzigartiges, weit über die Region bedeutsames Denkmal.

Sie verfügt innen wie außen über eine außergewöhnliche Bautechnik und Architektur. Mit einer zehneckigen Kuppel ist sie der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden. Das gibt es in Deutschland nur einmal.

Architekt ist Otto Müller-Jena, der das Ruhrgebiet mit zahlreichen Industrie- und Kommunalgebäuden künstlerisch geprägt hat. Heilig Kreuz ist als sein einziges Sakralgebäude sein Meisterwerk. Auch wenn die Kirche in Zukunft nicht mehr für sakrale Zwecke genutzt werden sollte, wird das außen und innen als Denkmal geschützte Gebäude auf Dauer eine prägende Landmarke für die gesamte Industriemetropole Ruhr bleiben.

Eine Verpackungsaktion könnte die Bedeutung von Heilig Kreuz und ihre Symbolik für die Menschen und Wirtschaft unseres Landes dauerhaft unterstreichen.

Ich gehe davon aus, dass sich genügend Sponsoren für das gesamte Projekt finden werden. Möglicherweise könnte mit den jungen, internationalen Architekten, die in Paris als Mediatoren für das dortige Christo-Projekt tätig waren, ein Wettbewerb gestaltet und ein Projektteam gebildet werden. In Betracht käme eine Koordinierung durch die Hochschulen der Metropole Ruhr. Das Projekt wäre insgesamt eine würdige Hommage für Jeanne Claude und Christo.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die in Paris geborene Idee aufgreifen könnten und zu weiteren Gesprächen bereit wären. Ich stehe Ihnen mit einer Gruppe von erfahrenen Freunden gern zur Verfügung.“


Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

2 Kommentare

  1. Welch eine tolle Idee!
    Sich erinnern, aufmerksam machen, wachrütteln in einer Zeit der Kurzlebigkeit, des schnellen Vergessens, der Oberflächlichkeiten, des Profits! Sich bewusst zu sein einer Jahrzehnte währenden Tradition der religiösen Gemeinschaft, der Glaubensinhalte, der Rituale, der Örtlichkeiten, die vielen Menschen Heimat, eine Identität des Glaubens und der Arbeit boten; eine Türe zur Vergangenheit erhalten und pflegen! Nicht verscherbeln, und sang-, und klanglos einfach hinter sich lassen. Wir brauchen Zeichen des Zusammenhalts, der Gemeinschaft: dieses sinnstiftende Projekt könnte uns vor Augen führen, bewusst machen, was wir WIRKLICH wollen, wir Bürger dieser Stadt, wir Katholiken in Gladbeck, gerade im Wandel der Zeiten. Ich fordere die Kulturschaffenden und interessierten Bürger dieser Stadt über alle ethnischen und sonstigen Zugehörigkeiten hinaus auf, sich für dieses Projekt in Gladbeck zu engagieren und sich stark zu machen für dieses über Gladbecks Stadtgrenzen weit hinaus strahlende Projekt. Kunst kostet Geld, wer wüsste das besser als Menschen wie ich, die sich der Kunst verschrieben, sie zu ihrem Alltag gemacht haben um andere aus ihrem Alltag herauszuholen, sich für einander zu interessieren auf einer anderen Ebene als der des Profits, des Besserwissens, der Wichtigtuerei; nein, auf einer Ebene des sozialen Miteinanders, des Kennenlernens anderer Kulturen zum Wohle einer gesunden, weil humanen Gesellschaft.
    Ich wünsche allen Beteiligten eine kluge Voraussicht und möchte sehr gerne mit dazu beitragen, dass dieses Projekt viele mutige Mitstreiter finden möge. Ich bin dabei! Gratulation an Matthias Raith zu seiner ambitionierten Idee und für seinen Mut!
    gez.: Berta Walter-Hamza / Musikerin und Pädagogin, wohnhaft in Gladbeck

  2. Ich pers. finde die Idee gar nicht so abwegig!
    Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die kath. Kirche, hier ja nicht zu Unrecht – Konzern – genannt, DANN auch davon noch partizipieren will?!?

    Steht doch das Gebäude auf Kirchengelände; Und wo Kirche Profit erzielen kann (pers. Erfahrung) da schlägt sie dann auch unbarmherzig zu!

    Wie das Amen in der Kirche.

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