Heilig Kreuz-Kirche in Gladbeck-Butendorf und ihre Zukunft

Heilig Kreuz in Butendorf - wie Kirche sich selbst abschafft
Gladbecker Baudenkmal, Heilig Kreuz-Kirche in Butendorf. Der gesamte Baukomplex von Kirche, Turm, Pfarrhaus und vorgelagerten Plätzen in der Westansicht im Jahr 2014. CC BY-SA 4.0. Fotograf: David Wenderdel

Eine Gladbecker Hinterzimmer- Intrige – Das Ende der Kirche Heilig Kreuz

Eine Bewertung von Matthias Raith

12.10.2021 – Heilig Kreuz – Die katholische Kirchengemeinde wird das in ihrem Eigentum stehende Gebäude der Heilig Kreuz-Kirche in Butendorf ab Ende 2021 nicht mehr für Gottesdienste nutzen und einer neuen Verwendung zuführen. Heilig Kreuz ist ein herausragendes Wahrzeichen Gladbecks. Der Bau ist ein einmaliges Zeugnis aus der Blütezeit des Gladbecker Bergbaus, er ist das in äußerer Gestalt und Innenraum völlig ungewöhnliche, einmalige Meisterstück des bedeutenden Industriearchitekten Müller-Jena, der unter anderem auch das Gladbecker Alte Rathaus und das Rathaus in Recklinghausen erbaut hat. Müller-Jena hat das Haupthaus von Heilig Kreuz in engem Zusammenwirken mit dem ganz außerordentlichen Gladbecker Priester Johannes van Acken durch eine zehneckige Kuppel der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden. Durch die Kuppelfenster wird der Innenraum mit seinem mittig angeordneten Altar wie aus dem Himmel heraus belichtet. Das gibt es in Deutschland nur einmal.




Zu Recht hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das gesamte Heilig Kreuz-Ensemble mit Haupthaus und Glockenturm im Einvernehmen mit der Stadt Gladbeck unter Denkmalschutz gestellt und damit alle Veränderungen untersagt, die den besonderen Charakter der Kirche beschädigen.

Medizin statt Messen – weg mit der alten Hütte statt Denkmalschutz

Nichtsdestotrotz haben der Pfarrer der Gemeinde und der Macher des benachbarten Ärztehauses in aller Freundschaft eine schnelle Lösung für die neue Verwendung der Baulichkeiten des Kirchenensembles gefunden: Sie bauen die Kirche so um, dass sie als Teil eines umfassenden Medizinzentrums genutzt werden kann. Aus kommerzieller Sicht ist das eine echte Win-Win-Situation: Die abgesprochene Neunutzung bringt der Kirche statt teurer Unterhaltung ihrer Immobilie handfeste Einnahmen.

Sie bringt dem Betreiber des Ärztehauses mehr Umsatz und Gewinn

Auch im Rathaus stößt der Plan spontan auf Wohlgefallen. Das ist auf den ersten Blick gut nachvollziehbar. Die Stadt braucht weder einen Leerstand noch eine baufällige Schrottimmobilie in Butendorf zu befürchten. Sie verhilft zwei potenten Wirtschaftsunternehmen, also der Kirche und dem Medizinzentrum, aktiv zu noch mehr Profit. Die wohlbezahlten Herren der Stadtplanung und der Wirtschaftsförderung haben dem entsprechend dem Pfarrer und dem Zentrums-Arzt tatkräftige Umgehung des Denkmalschutzes und passende Baugenehmigungen in Aussicht gestellt. Im Hinterzimmer. Unter Freunden. Mit klammheimlicher Handschlagqualität.

Das Grüppchen der Macher hat aber ein Problem: ihr Vorhaben verletzt den Denkmalschutz, entspricht also nicht so ganz den geltenden gesetzlichen Vorschriften und den dazu verbrieften Regeln von Stadt und Region. Die durch ein gemeinsames Motiv und gemeinsame Vereinsmitgliedschaften miteinander verbundenen und auch sonst gut vernetzten Akteure haben sie deshalb eine ziemlich infame Doppelstrategie eingefädelt, mit der sie glauben, die gesetzlichen Schranken aufbrechen zu können.

In Wahrheit: gezielte Zerstörung des Denkmals Heilig Kreuz

Intern planen sie unverdrossen die Zerstörung der Kirche. Sie haben ein Architekturbüro mit dreisten Planungen für die Erweiterung des Ärztezentrums beauftragt und sie machen sich an die technische Detaillierung der ersten Entwürfe. Im Innenraum der Kirche sollen danach in drei Etagen für das Medizinzentrums maßgeschneiderte Einzelräume kleinräumig übereinandergestapelt werden. Von der Wirkung der Kuppel als maßgebendes Element des Kircheninneren und dem Altarplatz in seiner Mitte bleibt nichts mehr übrig. Die Freunde basteln, wie man hört, zudem an einer Joint-Venture GmbH für die Gebäude: In ihrem Rahmen bleibt die Kirche Eigentümerin, das Ärztezentrum mietet den Bau, soweit es ihn gebrauchen kann und trägt die Mietnebenkosten. Das Medizin-Unternehmen spart die Finanzierung des Kaufpreises, der Kirchengemeinde bleibt die wertvolle Immobilie und der aus ihrer Fremdnutzung erhoffte Gewinn. Das Schicksal des für das Stadtbild von Gladbeck prägenden Glockenturms bleibt ungewiss, ihn braucht keiner der Beteiligten. Macht nichts: Money makes the world go round.

Nach außen: geheuchelte Offenheit für eine Bürgerbeteiligung

Zur Verschleierung der Pläne gegenüber der Öffentlichkeit hat die Kirchengemeinde einen Projektmanager angestellt und aus Mitgliedern der Gemeinde ein ehrenamtliches Moderatorenteam berufen. Das ist ein gezieltes Ablenkungsmanöver. Der Pfarrer hat seine Helfer offensichtlich nicht in die schon fest verabredete Umnutzung für das Ärztezentrum eingeweiht. Die Herren haben den Gemeindemitgliedern und mehreren Bürgerorganisationen blauäugig verkündet, man habe noch keinerlei Lösung für eine Neunutzung, man sei auf der Suche nach Investoren und für jeden Hinweis dankbar.

Damit verkaufen sie ahnungslose Laien für dumm. Sie machen glauben, dass die vorgelegten, auf Zentimetern genau detaillierten Planzeichnungen für den Innenausbau und die Fensteröffnungen in der Fassade keine Baupläne für das Ärztezentrum, sondern nur eine unverbindliche „Machbarkeitsstudie“ seien. Der Projektleiter tischte dieses schlecht erzählte Märchen zuletzt noch am 16. September 2021 wissentlich oder gutgläubig den Mitgliedern des Planungsausschusses der Stadt auf. Er hat den Rat damit erfolgreich von lästigen Fragen und demokratischen Prüfungen zum Denkmalschutz abgehalten.

Fragwürdige Mitwirkung aus dem Rathaus

Besonders verwerflich ist, dass der an der Intrige beteiligte leitende Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Ausschussmitgliedern seine Erkenntnisse und seine Mitwirkung nicht offengelegt hat und sie so über das wahre Vorgehen seiner Clique täuscht. Auch werden gezielt falsche Behauptungen in die Welt gesetzt. Das Innere der Kirche sei nicht vom Denkmalschutz umfasst, die Denkmalschutzbehörden hätten der Verwirklichung der vorgelegten Baupläne bereits informell und ohne Beachtung der vorgeschriebenen Verfahren abgenickt.

Das Kalkül der Darsteller im Gladbecker Intrigantenstadel ist einfach nachvollziehbar: Zum Jahreswechsel 2021/22 stoppt das Bistum die Zahlungen für Heilig Kreuz. Wenn danach kein überraschend herbeigeeilter „weißer Ritter“ eine andere Lösung präsentiert, ziehen sie gemeinsam ihre fertigen Pläne für das Ärztezentrum samt kommunalem Wohlwollen und rechtlicher Konstruktion als einzige „Notlösung“ aus der Tasche, die allerdings schon vom Konsens wichtiger Insider getragen ist. Der damit verbundene Überrumpelungseffekt, so spekulieren sie, werde dann unter den gegebenen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch die amtlichen Denkmalschützer von Einsprüchen jeder Art abhalten.

Fehlende Führung der Bürgermeisterin

Mehrere Bürger haben sich übrigens in den letzten Wochen mit eindringlichen Schreiben an die Bürgermeisterin gewandt. Sie möge sich persönlich der Sache annehmen und ihren ungetreuen Mitarbeitern in Wahrung der besonderen Bedeutung von Heilig Kreuz die Verschandelung des einmaligen Denkmals verbieten. Die in der sachlichen Führung offensichtlich überforderte Chefin der Verwaltung lässt ihre Spin Doctors aber trotz besseren Wissens ungestört weitermachen. Ihre Antworten an die besorgten Bürger sind oberflächliche, neben der Sache liegende Ausreden. Die Gladbecker Katholiken haben Heilig Kreuz mit großem Engagement über die Kriege und das Ende des Bergbaus gebracht. Sie haben für die Erhaltung und Renovierung der Gebäude immer wieder viel Geld gegeben.

Zur Erhaltung ihrer Kirche haben sie eine eigene Stiftung gegründet und mit Kapital in sechsstelliger Höhe ausgestattet. Das scheint die formale Eigentümerin, die Kirchengemeinde St. Lamberti, aber nicht zu interessieren. Das zweckgebundene Stiftungskapital sackt sie zweckentfremdend ein. Das Schicksal von Heilig Kreuz wird, wenn die Gladbecker nicht energisch widersprechen, so wieder einmal der Stoff für eine leider nicht einmalige Gladbecker Hinterzimmer-Posse. Die unter Umgehung aller Kontrollinstanzen hinter den Kulissen ausbaldowerte, fertige „Lösung“ ist für engagierte Katholiken und Menschen mit Verantwortungsbewusstsein für das Bild und die Geschichte ihrer Stadt und Region ein Schlag ins Gesicht. Dafür zahlen wir keine Steuern an Staat und Kirche.


Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

Hier den Newsletter der Neuen Gladbecker Zeitung abonnieren.

{Anmeldeformular}


4 Kommentare

  1. zum Thema:
    Nachtrag ;
    >>vorliegende
    Aussage eines informierten Sachverständigen aus Gladbeck< Herr Raith darf doch sicherlich auch als freier Bürger hier seine Meinung äußern ?! Er hat, wie ich zumind. ersehen kann,
    mit keinem Wort das Bürgerforum erwähnt.
    ..
    Schade, dass er nicht mehr der 1. Vors. ist !

    GlückAuf Gladbeck

    das scheint ein böses Ende zu nehmen..

  2. wenn dem so ist,
    und es klingt, weil eben Gladbecks Politik bekannt für Hinterzimmerchen ist,
    so;

    Unglaublich schräg ; heißt bis zu Jahresende abwarten und dann schauen
    was aus die Verwaltung – „neues“ – herauskommt ;

    das schreit doch jetzt schon – Skandal – raus ….

  3. Ich möchte den geneigten Leser darauf hinweisen, dass der Autor M. Raith nicht mehr Mitglied des Bürgerforums Gladbeck e.V. ist und hier nicht die Ansicht des Bürgerforums vertritt.

    gez.
    Franz Kruse, 1. Vorsitzender Bürgerforum Gladbeck e.V.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*