Überschwemmungen gab es auch in Gladbeck – noch vor Jahrzehnten

Überschwemmungen gab es auch in Gladbeck - noch vor Jahrzehnten
So wie hier, an der Bottroper Stadtgrenze zu Gladbeck, renaturiert die Emschergenossenschaft alle Bäche.

Als die Landstraße unter Wasser stand – mit dem Kahn zur Schule

21.07.2021 – Überschwemmungen – Die schrecklichen Hochwasser-Ereignisse der letzten Tage lassen Erinnerungen wieder hochkommen. Damals, Mitte der 50er Jahre, wuchs ich in Butendorf auf der Landstraße auf. Wir wohnten gegenüber der Gaststätte Stens-Keysberg, neben der Schreinerei Püthe. In unserem Haus wurde später ein Kiosk, dann die Gaststätte „Zum Blauen Bock“ und noch später eine Disco mit einer Pommesbude daneben, betrieben. Da waren wir aber schon längst 20 Hausnummern in Richtung Stadt gezogen.




Überschwemmungen – Der Stensteich lief über

1956 wurde ich in der damaligen Kreuzschule (später Hauptschule-Butendorf) eingeschult. Mein Schulweg führte ein Stück die Landstraße lang, unter der Autobahnbrücke ging es nach rechts in den Linnerott und nach 400 Metern war dort schon die Volksschule. Es muss 1956 oder 1957 gewesen sein, als in unserem Haus (und den Nachbarhäusern) quasi „Holland in Not“ war. Ein Starkregen hatte dafür gesorgt, dass der Stensteich überlief.

In Butendorf, hinter der ehemaligen Gaststätte Keysberg, gibt es den Stensteich. Er wird vom Nattbach gespeist, der von der Stadtgrenze zu Buer kommend, einen Teich an der Kleingartenanlage Nattbach e.V. durchfließt, die Bahnlinie unterquert und in der Kleingartenanlage Im Linnerott e.V. landet. Dort gab es früher ebenfalls einen Teich, der inzwischen zu einem Feuchtgebiet umgestaltet wurde. In seinem renaturierten Lauf fließt der Nattbach dann von dort in den Stensteich. An dessen westlicher Seite gibt es einen Überlauf, der den Bach früher (unter der Landstraße hindurch) in die sog. Köttelbecke leitete, die an der Landstraße neben der Tischlerei Püthe begann.

Überschwemmungen: Die Köttelbecke konnte das Wasser nicht abführen

Auch die Köttelbecke (so nannte man damals die Abwasserfluter) konnte die Wassermassen nicht abführen, denn dort floss das Wasser aus dem größten Teil Butendorfs zusammen. Die Folge war, dass die Keller der unteren Landstraße vollliefen. Und nicht nur das! Auf der Straße stand das Wasser ca. 50 cm hoch.

Wie jetzt zur Schule kommen? Der Retter kam mit einem Holzkahn vom Stensteich (dort gab es damals einen Kahnverleih). Es war der Schreiner Püthe, der uns Kinder mit dem Kahn einsammelte und in Richtung Schule ruderte. Kurz nach der Autobahnbrücke lief der Kahn auf Grund. Püthe hatte Gummistiefel an, die ihm bis über die Oberschenkel reichten. Er trug uns einzeln in den Linnerott, so dass wir trockenen Fußes zur Schule kamen.

Überschwemmungen: Die Fäkalien stanken noch tagelang

Auf dem Rückweg war der „Spaß“ schon wieder vorbei. Das Wasser war abgelaufen. Doch der Gestank der Fäkalien verfolgte uns noch einige Tage.

Heute betreibt die Emschergenossenschaft an der Stelle (zwischen Püthe und der Autobahn) ein modernes Pumpwerk. Die Köttelbecke, die eigentlich Nattbach hieß, ist nicht mehr zu sehen. Im alten Bachbett gibt es jetzt Rohre durch die das Bach- und Regenwasser getrennt von den Abwässern abgeführt wird. Das saubere Wasser des Nattbaches tritt erst wieder jenseits der Autobahn zutage. Dort, hinter der ehemaligen Kreuzschule, gab es einen Tunnel durch den der Nattbach floss. Ab dieser Stelle, bis zur Mottbruchhalde in Brauck, ist der Nattbach von der Emschergenossenschaft renaturiert worden. Er verbindet sich dort mit dem Wittringer Mühlenbach und fließt schließlich in die Boye.

Was passiert, wenn bei uns 200 Liter pro Quadratmeter runterkommen?

Nach diesem Ereignis Mitte der 50er Jahre gab es noch einige Mal Hochwasser auf der Landstraße. Das Pumpwerk wurde mehrmals umgebaut und vergrößert. Beim letzten Starkregen in Gladbeck, vor einigen Tagen, haben die Pumpen es locker geschafft die Wassermassen zu bewältigen. Wir hatten aber „nur“ einen Niederschlag von ca. 60 Litern pro Quadratmeter. In den Katastrophengebieten, von denen derzeit die Rede ist, kamen bis zu 200 Liter runter.

Nicht auszudenken, was dann an der Landstraße los wäre. Ob es sinnvoll ist, dass die Anwohner Vorsorge treffen und sich schon mal Boote anschaffen, was meinen Sie?

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2 Kommentare

  1. Die letzte Überschwemmung dort ist so lange gar nicht her: es muss knapp nach 1990 gewesen sein. Die damals dort zwischen dem Aldi-Markt und dem Linnerott gebauten, noch ziemlich neuen Häuser hatten die Keller alle bis zur Decke voll gelaufen und teilweise war auch das Erdgeschoss betroffen, obwohl dieses deutlich über dem Straßenniveau liegt. Danach hat die Emschergenossenschaft das Pumpwerk um eine weitere, mächtige Hochwasserpumpe ertüchtigt und die abführenden Leitungen mit einem größeren Querschnitt versehen. Seither ist dort wohl nichts mehr abgesoffen. Das Pumpwerk wurde dann nochmal erweitert, weil ein Trennwassersystem geschaffen wurde.

    Einen Regen wie im Sauerland hat man aber an der Landstraße noch nie gesehen. Wären derartige Wassermassen von Buer her den Linnerott heruntergestürzt und zusätzlich die Fluten durch den Nattbach angekommen, hätte wohl das beste Pumpwerk nichts geholfen. Derartige Wassermassen, wie sie letzte Woche einige Städte erlebten, hat es hier noch nie gegeben.

    Nun ja, das ist der Klimawandel. UND DER FÄNGT GERADE ERST AN. Das wird alles noch viel schlimmer! Ich stelle mir die Frage, was passiert wenn das Wasser so hoch steigt, dass nicht nur die Straße und die Keller, sondern auch die Hallen des Pumpwerks, in denen die Elektrik für die Pumpen steht, mit unter Wasser kommen sollten. Ich glaube, dann wird es lange dauern, bis man trockenen Fußes unter der A2 her zum Stensteich gehen kann.

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