Sargzwang: Parteien wollen ihn in Gladbeck aufheben

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Sargzwang: Parteien wollen ihn in Gladbeck aufheben
Drei Gladbecker Parteien fordern die Aufhebung des Sargzwangs um Bestattungen im Leinentuch zu ermöglichen.

Bestattungen im Leinentuch statt im Sarg

01.07.2021 – Sargzwang – Die religiöse und weltanschauliche Zusammensetzung der Gladbecker Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend verändert. Gladbeck ist inzwischen von religiösem Pluralismus geprägt, der sich in individuellen Vorlieben ausdrückt. In der Bestattungspraxis sind neue Bedürfnisse entstanden, denen auch rechtlich Raum gewährt werden sollte. Die in Gladbeck bestehenden Bestattungsmöglichkeiten spiegeln diese Veränderungen nicht in geeigneter Weise wider. Das bestehende Bestattungsrecht entspricht nicht den gesellschaftlichen Realitäten und verhindert, dass hier lebende Menschen eine würdevolle Beisetzung nach ihren individuellen Bedürfnissen erfahren und bestattet werden können.

Sargpflicht gilt erst seit 19. Jahrhundert

Schon der habsburgische Kaiser Joseph II. hielt aus Sorge um seine Wälder nichts von Särgen und sprach ein Verbot aus, weiß Gerold Eppler, stellvertretender Leiter des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. „Im Mittelalter war es auch im christlich abendländischen Kulturkreis durchaus üblich, dass man Verstorbene ohne Sarg beigesetzt hat. Also von daher ist es nichts Neues. Die Veränderungen, dass man den Sarg verbindlich festschreibt, greift erst seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.“ Quelle: Bayerischer Rundfunk

Antrag kommt heute (01.07.21) in die Ratssitzung

Aus diesem Grund haben die Ratsfraktionen von DIE LINKE, FDP und ABD dieses Thema für die nächste Ratssitzung beantragt. Ohne eine Sargpflicht würden sich auch mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens in Gladbeck bestatten lassen, die hier geboren und aufgewachsen sind und keinen oder nur wenig Bezug zum Herkunftsland ihrer Eltern oder Großeltern haben.




In vielen Ruhrgebietsstädten wurde die Sargpflicht bereits aufgebhoben

In Essen gibt es seit 1972 auf dem Friedhof am Hallo die Möglichkeit auch ohne Sarg zu Bestatten. Auch Dortmund, Bochum, Oberhausen, Herne, Herten, Gelsenkirchen und Duisburg bieten diese Form der Bestattung an. „Das Bestattungsgesetz NRW erlaubt prinzipiell die Bestattung ohne Sarg. Als Unterhalter der Friedhöfe regelt der jeweilige Friedhofsträger den Sargzwang. Der Rat der Stadt kann also mit einer Änderung der Friedhofssatzung auch in Gladbeck Bestattungen im Leinentuch erlauben“, so Ratsherr Tack.

In Bayern seit 1. April 2021 aus weltanschaulichen Gründen erlaubt

In Bayern ist das seit dem 1. April erlaubt, in den meisten Bundesländern schon viel länger gang und gäbe. Dafür dürfen in Bayern auch Nicht-Muslime aus weltanschaulichen Gründen so begraben werden.

Muslime wollen dort beerdigt werden, wo sie gelebt und gearbeitet haben

„Auch in Gladbeck lebende Muslime wollen hier beigesetzt werden. Sie haben oft ihr ganzes Leben lang hier gelebt und gearbeitet – doch nach dem Tod werden viele Muslime in ihr Herkunftsland überführt und dort bestattet oder sie lassen sich in den Nachbarstädten bestatten, in denen das Leinentuch schon erlaubt ist. Aber allmählich setzt ein Umdenken ein. Immer mehr Muslime wollen dort begraben werden, wo sie gelebt haben und wo Freunde und Familienangehörige zu Hause sind“, sagt Ratsherr Süleyman Kosar.

Särge treiben Beerdigungskosten in die Höhe

Die sarglose Bestattung kann aus unterschiedlichen Gründen attraktiv sein. Ein Begräbnis in Deutschland kostet durchschnittlich fast 13.000 Euro. Fällt der Sarg weg, lässt sich Geld sparen. Und auch Umweltschutz-Gründe können eine Rolle spielen. Bei um die 900.000 Todesfällen im Jahr in Deutschland macht das ebenso viele Särge aus, denn auch bei Feuerbestattungen gilt vor der Verbrennung die Sargpflicht.

„Die Verwaltung soll beauftragt werden eine Änderung der Friedhofssatzung zu erarbeiten mit der eine Bestattung im Leinentuch allen, die in Gladbeck bestattet werden möchten, ermöglicht wird. Es soll allen Bürgerinnen und Bürgern, sei es aus religiösen Gründen oder auch aus ökologischen Gründen erlaubt sein sich für diese Ressourcen schonende Art der Bestattung zu entscheiden“ so Ratsherr Jung abschließend.

Hier informiert AETERNITAS e.V. über die Sargpflicht in Deutschland


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1 Kommentar

  1. Muslime == Särge teuer

    Deutschstämmige == Särge billiger ?

    Muslime/Türkischstämmige, haben sehr oft eine Vers. die sie im Todesfall in die Türkei fliegen.

    Warum für die Nicht Christen extra und für sog. Einheimisch Geb. nicht ?
    Das soll mir doch mal einer dieser Politiker schlüssig erklären .

    bringen

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