Kommunalpolitik in Gladbeck im Wandel der Zeit – NGZ

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Kommunalpolitik im Gladbecker Stadtrat mit SPD, CDU, Grüne, AfD, DIE LINKE, ABI, FDP, BIG
Die Gladbecker SPD, seit 50 Jahren geht es stetig abwärts. Kommunalpolitik im Gladbecker Stadtrat mit SPD, CDU, Grüne, AfD, DIE LINKE, ABI, FDP, BIG. Grafik: NGZ

Was läuft in der Gladbecker Kommunalpolitik falsch?

Gladbeck – 14.08.2026 –  Viele Jahrzehnte saßen die GenossInnen der SPD in der Gladbecker Kommunalpolitik auf einem ganz hohen Ross. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Die Parteien-Konkurrenz wird größer. 1976 waren es vier Parteien im Stadtrat. Neben der SPD gab es noch die CDU und die FDP. Eine Besonderheit war die DKP, die es in einigen NRW-Städten in die Stadträte geschafft hatte.

Heute ist die Konkurrenz größer. Die DKP schafft es erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr in den Rat, aber es traten mehr als neun Parteien zur Wahl an, von denen es 2025 immerhin acht in den Rat schafften. Durch mehrere Fraktionswechsel entstanden schließlich sieben Fraktionen, eine Ratsgruppe und zwei Einzelmitglieder (Gräber Ex-AfD und Dohmann FDP). Die Politik wurde bunter und die Ideen der Politiker vielfältiger und kreativer. Der politische Betonklotz SPD ist nicht mehr en vogue – im Revier sagt man: „Andere Mütter haben auch Töchter!“

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Die SPD-Kommunalpolitik stößt die WählerInnen ab

Doch nicht nur die Vielzahl neuer Parteien kostete die SPD die jahrzehntelange Mehrheit. Das kommunalpolitische Verhaltensmuster der SPD im Umgang mit der politischen Konkurrenz wird heute nicht mehr akzeptiert. Über Jahrzehnte hatte die SPD die Lokalausgaben der Zeitungen fest im Griff. Regelmäßige Kegeltreffen der SPD mit den Lokalredakteuren, dem Sparkassenvorstand und wichtigen Beamten der Stadtverwaltung sorgten für ein „harmonisches Miteinander“. Da konnte schon mal ein Redakteur ein Eigenheim zum Vorzugspreis von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft kaufen und das geplante Buch einer Kegelfreundin und Lokalredakteurin wurde bereits vor dem Druck in tausendfacher Auflage von einem bekannten Kreditinstitut gekauft.

Solche Sachen sind heute in der Kommunalpolitik nicht mehr so einfach zu machen. Alternative und soziale Medien bringen das ans Tageslicht. Doch noch hat die SPD mit vielen treuen GenossInnen im Rathaus den Finger am Drücker. Das liegt auch an der halbherzigen Oppositionsarbeit der CDU, die im Machtgefüge der Kommunalpolitik der letzten Jahrzehnte eine bedauernswerte Rolle spielte. Zu sehr ließ sie sich mit kleinen Krumen, die von der reich gedeckten SPD-Tafel fielen, abspeisen. Für den 1. stellvertrettenden Bürgermeisterposten (Rademacher) hat die CDU nun ihre Seele verkauft.

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Fingerspitzengefühl und Sensibilität ging verloren

Ob Kalinowski, Icke, Braun, Wuwer, Röken, Klabun, vorm Walde, Roland, Bennarend, Wedekind, Musiol oder Hübner, sie alle pflegten das Verhaltensmuster der SPD. Dem einen oder anderen der genannten SPD-Politiker konnte man noch Fingerspitzengefühl und Sensibilität nachsagen, doch besonders in den letzten 25 Jahre konnte davon keine Rede mehr sein. Knallhart wurde durchgepeitscht, was die wortführenden Strategen wollten. Das machten auch viele Mitglieder nicht mehr mit – die SPD ist heute mitgliedermäßig mehr als halbiert. Ganau wie die Zahl ihrer Ortsvereine in Gladbeck.

Gute Entscheidungen und schlechte Entscheidungen in der Kommunalpolitik

Nicht alles, was die SPD in den letzten Jahrzehnten verzapft hat war schlecht. Der Kampf für die Selbständigkeit Gladbecks und die Ansiedlung einiger Betriebe nach dem Auslaufen des Bergbaus, sind da beispielhaft zu nennen. Doch davon kann man nicht Jahrzehnte über die Runden kommen. Die SPD ist weiterhin in der Bergbau- und Gewerkschaftsfolklore gefangen und ihr fällt es sehr schwer sich neuen sozialen Bewegungen anzuschließen. Kreuzfahrtschiffe haben auch kilometerlange Bremswege und ihre Kurven sind unendlich lange Bögen.

Will die SPD so weitermachen?

Bundesweit kann die SPD derzeit mit 11 bis 13 % der Stimmen rechnen. Zur Landtagswahl 2027 in ihrem Kern-Land NRW sind es mit 17 % (Infratest dimap 28.06.2026) etwas mehr und bei der Kommunalwahl 2025 in Gladbeck waren es noch 33,7 %, das sind abermals 2,8 % weniger als bei der Kommunalwahl 2020.

In Ost-Bundesländern droht die SPD an der 5 %-Hürde zu scheitern. Und man staune! 😉 Der Ruf nach Aufhebung dieser Barriere kommt nun aus der SPD!

Eigentlich sind das Zahlen, die zur Besinnung animieren sollten. Doch politische Willensbildung in Ratsausschüssen scheint auch weiterhin nicht in die Vorstellungswelt der SPD zu passen.

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Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

1 Kommentar

  1. Sehr zutreffend beobachtet und beschrieben!Bei manchen dauert es halt länger, bis sie den Schuss hören und wach werden. Ich befürchte allerdings – s. Gewerkschafts- und Bergbaufolklore – die Genossinnen und Genossen haben nicht verstanden, denn sonst träten sie im positiven Sinne demütiger auf!

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