Einsamkeit bei jungen Menschen in den Osterferien

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Einsamkeit bei jungen Menschen in den Osterferien
Die Angebote des Gladbecker Jugendamtes in den Osterferien sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bild: KI

Osterferien mit dem Jugendamt Gladbeck

Viel Gerede über Einsamkeit – und dann bloß ein Ferienprogramm im Sparmodus

Gastbeitrag von Werner Fiedler / Mitautor „Kind im Brunnen“

Gladbeck – 02.04.2026 – Einsamkeit unter jungen Menschen ist kein Modethema, sondern eine reale kinder- und jugendpolitische Herausforderung. Aktuelle Daten von UNICEF zeigen für Deutschland steigende Einsamkeitsgefühle, mehr Stresssymptome und eine sinkende Lebenszufriedenheit bei Jugendlichen.

Auch die Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit zielt deshalb ausdrücklich auf die Stärkung sozialer Verbundenheit und den Ausbau passender Angebote. Wer dieses Problem öffentlich benennt, muss sich daran messen lassen, ob daraus vor Ort mehr entsteht als nur Rhetorik.

Genau an diesem Punkt beginnt das Problem in Gladbeck. Auch hier wird inzwischen von Amtsträgern über sozialen Rückzug, fehlende Begegnung und Einsamkeit gesprochen. Doch beim Blick auf das aktuelle Osterferienprogramm der städtischen Jugendförderung zeigt sich kein erkennbarer konzeptioneller Sprung. Was als Antwort auf Isolation taugen müsste, liest sich in weiten Teilen wie umbenannter Regelbetrieb. Besonders brisant ist, dass genau dieses Muster bereits im Juni 2025 öffentlich gerügt worden ist – ohne erkennbare Wirkung.


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Einsamkeit: Große Worte, kleines Programm

Kinder- und Jugendarbeit hat einen klaren gesetzlichen Auftrag. Nach § 11 SGB VIII sollen Angebote an den Interessen junger Menschen anknüpfen, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, zur Selbstbestimmung befähigen und zu sozialem Engagement anregen. Fachlich bedeutet das: Gute Ferienangebote sind nicht bloß „geöffnete Türen“, sondern verlässliche, attraktive und partizipativ gedachte soziale Erfahrungsräume. Gerade wenn Einsamkeit politisch zum Thema gemacht wird, reicht es nicht, bloße Anwesenheit zu organisieren. Dann braucht es erkennbare Konzepte für Begegnung, Bindung, Beteiligung und Reichweite.

Doch genau daran mangelt es in Gladbeck. Wer die veröffentlichte Ferienübersicht 2026 liest, findet bei den städtischen Einrichtungen überwiegend Standardformeln: Beim Freizeittreff Brauck stehen in den Osterferien „Offene Angebote“, beim Freizeittreff BBzB „Ferienspaß zuhause“, beim Freizeittreff Rentfort „Offene Kinderzeit“, „Offene Jugendzeit“ und „+ Specials“, beim Jugendcafé 3Eck (städisches Jugendzentrum) „Offene Angebote – Wünsch Dir Was!“ mit Kochen, Spiel, Sport und Kino. Das ist die offizielle Darstellung des Programms.

Offene Arbeit ist wichtig – aber sie ist noch kein Ferienkonzept

Man muss hier fachlich sauber unterscheiden. Offene Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig. Niedrigschwellige, frei zugängliche Räume sind Basis kommunaler Jugendförderung. Das Problem liegt also nicht darin, dass es offene Angebot gibt. Das Problem beginnt dort, wo diese offene Arbeit als besondere Antwort auf Einsamkeit und Ferienbedarfe präsentiert werden, ohne dass zusätzliche Zielgruppenstrategie, erkennbare Beteiligung, sozialräumliche Ansprache oder herausragende Angebotsemantisc sichtbar werden.

Aus „Offene Jugendzeit“ wird noch kein wirksames Anti-Einsamkeits-Angebot. Aus „Ferienspaß zuhause“ wird noch kein Konzept, das Kinder und Jugendliche tatsächlich aus Rückzug, Monotonie und sozialer Passivität herausholt. Wer Einsamkeit ernst nimmt, muss mehr bieten als semantisch aufgewertete Regelangebote.

Verwaltungssprache statt jugendpädagogischer Einladung

Auch kommunikativ bleibt das Ganze auffällig schwach. Die Übersicht ist knapp, tabellarisch und weitgehend ohne inhaltliche Vertiefung. Für Kinder, Jugendliche und Familien entsteht kaum ein Bild davon, was konkret erlebt werden kann, welche Zielgruppen wie angesprochen werden oder warum ein Besuch lohnen soll. Das ist kein Nebenaspekt. Sichtbarkeit, Ansprache und Zugänglichkeit sind Teil fachlicher Qualität. Wenn Angebote an den Interessen junger Menschen anknüpfen sollen, dann muss man auch kommuniziert, dass junge Menschen sie als relevant, spannend und erreichbar wahrnehmen können. Der gesetzliche Maßstab der Mitbestimmung und Mitgestaltung verlangt gerade keine Verwaltungssprache, sondern einen adressatenbezogenen Zugang.

Im Jahr 2026 ist das umso schwerer nachzuvollziehen. Technisch wäre es ohne weiteres möglich, jede Einrichtung mit Programmdetails, Tagesprofilen, Anmeldemodalitäten, Bildern, Beteiligungshinweisen und einer klaren Ansprache zu versehen. Stattdessen dominiert ein Stil, der eher nach interner Angebotsauflistung als nach einer ernst gemeinten Einladung an junge Menschen aussieht.

Millionenetat, aber erstaunlich wenig Ambition

Die fachliche Dürftigkeit fällt noch stärker auf, wenn man sie ins Verhältnis zu Verantwortung und Ressourcen setzt. Nach öffentlicher Darstellung liegt der Etat der Jugendförderung in Gladbeck bei rund 2,3 Millionen Euro. Gleichzeitig lebten in Gladbeck zum 31.12.2024 9.439 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis unter 18 Jahren; zusammen mit den 4.731 Kindern unter 6 Jahren sind das gut 14.000 Minderjährige. Wer für diese Größenordnung kommunale Verantwortung trägt, darf sich in den Ferien nicht mit einer Minimal-Kommunikation und weitgehend unspezifischen Standardformaten begnügen. (Gladbeck – NGZ – Neue Gladbecker Zeitung)

Natürlich folgt aus einem Budget nicht automatisch ein spektakuläres Programm. Aber aus einem Budget folgt der Anspruch, dass konzeptionelle Prioritäten erkennbar werden. Wenn Einsamkeit öffentlich problematisiert wird, müsste sich das gerade in sensiblen Zeiten wie den Ferien zeigen: in verbindenden Gruppenangeboten, in aktiver Ansprache derer, die von selbst nicht kommen, in geschützten und attraktiven Formaten für unterschiedliche Alterslagen, in Kooperationen im Sozialraum und in einer Kommunikation, die Lust macht statt bloß verwaltet.

Ralph Kalveram und Marina Bänke müssen fachlich erklären

Deshalb gehören hier auch Namen genannt: Ralph Kalveram und Marina Bänke müssen fachlich erklären, warum die Stadt einerseits Einsamkeit, Rückzug und fehlende Begegnung öffentlich problematisiert. Andererseits aber bei den eigenen Osterferienangeboten kein erkennbar weiterentwickeltes Konzept vorlegt.

> Sie müssen erklären, worin bei den städtischen Einrichtungen die zusätzliche Qualität gegenüber dem regulären offenen Betrieb besteht.
> Sie müssen erklären, nach welchen fachlichen Kriterien die Angebote geplant wurden.
> Sie müssen erklären, wie Beteiligung junger Menschen konkret stattgefunden hat.
> Und sie müssen erklären, weshalb die öffentliche Darstellung oberflächlich ausfällt, wenn doch soziale Verbundenheit und Prävention politisch so groß aufgerufen werden.

Das ist keine polemische Nebenfrage, sondern eine Frage fachlicher Redlichkeit.

Transparenz als Glaubwürdigkeitsfrage

Hinzu kommt ein zweites Problem: Transparenz. Nach eigener Zählung des Autors sind auf FragDenStaat seit Juni 2025 27 Anfragen unbeantwortet oder bis heute nicht abschließend beschieden. Sollte dieser Befund zutreffen, dann steht er in einem massiven Widerspruch zu jeder öffentlichen Rede der Bürgermeisterin Bettina Weist von Offenheit und Bürgernähe. Transparenz ist keine Pressevokabel, sondern zeigt sich daran, ob Verwaltung bereit ist, Unterlagen zugänglich zu machen, Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären und Kritik nicht auszusitzen. Die aktuelle IFG-Anfrage zum Ferienprogramm 2026 ist dort öffentlich dokumentiert.

Kritik ohne erkennbare Folgen

Besonders problematisch ist, dass die Grundkritik nicht neu ist. Schon im Juni 2025 wurde öffentlich darauf hingewiesen, dass reguläre Öffnungszeiten und offene Angebote als Ferienprogramm verkauft werden. Die Osterübersicht 2026 lässt bislang keinen klaren fachlichen Lerneffekt erkennen. Statt eines sichtbaren Qualitätsgewinns zeigt sich erneut dieselbe Logik: viel Etikett, wenig ünerzeugendes Konzept.

Das ist umso bedenklicher, weil wir es hier nicht mit einer Randfrage zu tun haben. Es geht um die Frage, wie eine Kommune Kinder und Jugendliche in einer Phase erreicht, in der Schule als täglicher Sozialraum zeitweise wegfällt und außerschulische Begegnung besonders wichtig wird. Wer hier nur Routine liefert, obwohl er öffentlich Krise diagnostiziert, bleibt hinter dem eigenen Anspruch zurück.

Nicht die Mitarbeitenden vor Ort stehen hier am Pranger

Die Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Fachkräfte in den Einrichtungen. Viele Mitarbeitende leisten unter schwierigen Bedingungen, mit knappen Ressourcen und oft ohne ausreichende öffentliche Unterstützung solide und engagierte Arbeit. Der blinde Fleck liegt höher: in Leitung, Steuerung, Prioritätensetzung und fachlicher Übersetzung politischer Problembeschreibungen in wirksame Praxis.

Gerade deshalb ist die Debatte notwendig. Denn Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen bekämpft man nicht mit Schlagworten, sondern mit verlässlichen Beziehungen, attraktiven Erfahrungsräumen, ernst gemeinter Beteiligung und einer kommunalen Jugendförderung, die ihr eigenes Angebot nicht unter Wert plant und kommuniziert.

Gladbeck braucht mehr als Alibi-Ferien

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob irgendwo ein Haus geöffnet ist. Die entscheidende Frage lautet, ob das vorgelegte Osterferienprogramm dem Bedarf der Gladbecker Mädchen und Jungen gerecht wird, und ihnen in Zeiten von Einsamkeit und sozialem Rückzug wirklich etwas anzubieten.

Nach dem, was bislang öffentlich vorliegt, fällt die Antwort ernüchternd aus.

Mehr Verwaltung als Vision. Viel Routine als Konzept. Mehr Etikett als Substanz.

Für eine Stadt, die Einsamkeit bei jungen Menschen öffentlich zum Thema macht, ist das zu wenig.

Die Praxis der Stadt Gladbeck mit Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetzt können Sie hier verfolgen: https://fragdenstaat.de/behoerde/3305/kommunalverwaltung-gladbeck/

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