
Wolfgang Kubicki (FDP): „Wir haben so viele Soziologen und Sozialarbeiter und sonstige überflüssige Menschen in diesem Land.“
Gladbeck – 09.04.2026 – Demokratiegefährdung – Unter der Schlagzeile: “Überflüssig für wen? Warum die Abwertung Sozialer Arbeit demokratiegefährdend ist.” nimmt die Gewerkschaft ver.di Stellung zu einer Äußerung des designierten FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung der FDP am 18. Februar 2026 in Erlangen hatte er wie gewohnt vom Leder gezogen. Zunächst berichteten die Nürnberger Nachrichten darüber. Es war kein rhetorischer Ausrutscher. Der (noch) stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki erklärte dort wörtlich: „Wir haben so viele Soziologen und Sozialarbeiter und sonstige überflüssige Menschen in diesem Land.“ Und er betonte ausdrücklich: „Ja, ich sage das ganz bewusst.“
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Ver.di nennt das demokratiegefährdend
Kubickis Abwertung blieb nicht bei dieser Feststellung stehen. Kubicki entwickelte sie argumentativ weiter. Man habe zwar „immer mehr Sozialarbeiter, was ich ganz toll finde“, das Problem sei jedoch: „Wenn Sie mehr Sozialarbeiter haben, die Menschen betreuen sollen, brauchen Sie mehr Menschen, die betreut werden müssen, damit das Verhältnis aufgeht.“ Der daraus abgeleitete Befund lautet: „Wir befinden uns gerade in dem Zustand, dass die Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben selbst zu gestalten. Alle Menschen müssen betreut werden, irgendwie.“
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Ver.di dazu: “Drei Tage später folgte eine Relativierung auf X. Dort erklärte Kubicki, er habe „überhaupt nichts gegen Sozialarbeiter“, sie leisteten „teilweise sehr wichtige Arbeit“. Gemeint gewesen seien eigentlich „Politologen und Sozialwissenschaftler“; gut möglich, dass er sich „fälschlicherweise“ versprochen habe. Diese nachträgliche Einordnung macht die ursprüngliche Aussage jedoch nicht harmloser. Sie nimmt weder die Zuschreibung der „Überflüssigkeit“ zurück noch revidiert sie das zugrunde liegende Deutungsmuster, das den Wert von Menschen an ihre Nützlichkeit koppelt. Stattdessen verschiebt die Relativierung das Problem vom Gesagten auf eine angebliche Fehlinterpretation – und blendet damit aus, dass die Aussage im Kontext bewusst gesetzt und ausdrücklich bekräftigt wurde.
Kubickis Auftritt ist kein Ausrutscher, sondern Symptom. Wer soziale Berufe und den öffentlichen Dienst pauschal diskreditiert, darf sich nicht wundern, wenn Vertrauen in staatliche Institutionen schwindet. Und wer sich anschließend über den Zulauf zu radikalen Parteien wie der AfD beklagt, sollte den Zusammenhang zwischen sozialer Entwertung und politischer Radikalisierung nicht ausblenden.
Damit stellt sich eine grundlegendere Frage: Warum sollte man einer Partei, die nicht im Bundestag vertreten ist, und einem Politiker, der seit Jahren vor allem durch Provokation auffällt, mit einem Artikel überhaupt zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen?
Die Antwort: Weil nicht nur Kubicki ein merkwürdiges Verhältnis zur Demokratie hat, sondern auch eine örtliche FDP-Politikerin. Siehe nachstehenden Artikel:
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