
70 Anlaufstellen auf dem Papier – aber wo ist das Projekt im Stadtbild?
Von Werner Fiedler (Gastbeitrag)
Gladbeck – 28.11.2026 – Notinsel – Das Projekt „Notinsel – Wo wir sind, bist du sicher“ wurde in Gladbeck nicht irgendwann beiläufig gestartet, sondern sichtbar und ambitioniert: 2008 ging es nach öffentlicher Darstellung mit 60 Standorten los. Heute werden auf der Notinsel-Projektseite Anlaufstellen für Gladbeck aufgeführt – insgesamt rund 70. Parallel verweist auch die Stadt Gladbeck weiterhin auf ihrer eigenen Kommunikation auf das Projekt; ebenso taucht es noch im Umfeld der städtischen Jugend-Informationen auf.
Und genau hier beginnt das Problem: Auf dem Papier ist Notinsel präsent – im Stadtbild kaum.
Die NGZ-News aus Gladbeck immer sofort auf das Handy?
Dann abonniere kostenlos den WhatsApp-Kanal
Die Gladbecker Zusammenfassung des Tages der NGZ?
Dann abonniere den kostenlosen Newsletter
Folgen Sie uns auf Facebook: NeueGladbeckerZeitung
Ein Schutzkonzept lebt von Sichtbarkeit – nicht von Listen
Notinsel ist als Idee bestechend einfach: Ein Kind in Angst, Stress oder Gefahr erkennt das Zeichen, geht hinein und bekommt Hilfe. Das funktioniert aber nur, wenn das Zeichen im Alltag tatsächlich sichtbar ist.
Wer Gladbeck (insbesondere die Innenstadt) mit diesem Blick begeht, erlebt eine irritierende Diskrepanz: Bei einer Begehung wurde faktisch nur ein einziger Notinsel-Aufkleber wahrgenommen.
Wenn das stimmt, dann ist das keine Randnotiz, sondern ein Alarmzeichen: Ein Kinderschutzprojekt, das im öffentlichen Raum nicht erkennbar ist, ist im Ernstfall nicht verlässlich.
Woran man Notinsel messen muss – drei einfache Kriterien
Wenn Gladbeck heute „rund 70 Notinseln“ führt, dann müssen drei Fragen beantwortbar sein – nicht irgendwann, sondern sofort:
- Wie viele der gelisteten Standorte sind aktuell aktiv und sichtbar gekennzeichnet?
- Wann wurde jeder Standort zuletzt überprüft (Kontakt/Begehung/Abgleich)?
- Welche Standorte sind faktisch Karteileichen (aufgeführt, aber ohne sichtbaren Hinweis oder ohne gelebte Bereitschaft)?
Notinsel ist kein Marketing-Baustein. Notinsel ist Kinderschutz im öffentlichen Raum – und damit eine Aufgabe, die Pflege, Nachschulung, Standards und Kontrolle braucht.
100 Tage neue Amtsleitung: Jetzt zählt Umsetzung, nicht Kommunikation
Hinzu kommt: Die neue Amtsleiterin Marina Bänke ist nun seit rund 100 Tagen im Amt. Das ist genug Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen – und es ist der Zeitpunkt, an dem man erste sichtbare Korrekturen erwarten darf.
Gerade weil die Jugendförderung in Gladbeck nach Jahren des Abbaus und der Unsichtbarkeit ohnehin in der Kritik steht, braucht es jetzt ein Signal: Nicht noch eine „Aktualisierung“ auf Webseiten – sondern eine sichtbare Reaktivierung vor Ort.
Notinsel wäre dafür ein idealer Startpunkt, weil es konkret, messbar und schnell umsetzbar ist.
Fazit: Notinsel muss man finden können – ohne Glück
Wenn Gladbeck wirklich rund 70 Notinseln hat, dann muss man diese Anlaufstellen in der Innenstadt und in den Quartieren auch sehen: an Türen, Schaufenstern, Eingängen – und zwar flächig, nicht zufällig.
Ein Kinderschutzprojekt, das man nicht erkennt, schützt nicht.
Notinsel darf nicht als „wir haben das doch“ geführt werden. Es muss wieder zu einem Netz werden, das trägt – sichtbar, gepflegt, überprüft.
Links:
https://www.notinsel.de/notinsel-finden
https://jugend-in-gladbeck.de/Jugendfoerderung/Notinsel/
https://de.wikipedia.org/wiki/Notinsel
Zur Startseite
| Polizeibericht aus Gladbeck | Mitteilungen der Stadt Gladbeck |


Hinterlasse jetzt einen Kommentar