
Gefahr für Land und Menschen – Vorsicht vor Egomanen in der Politik
Von unserem Gastautor Matthias Raith
Gladbeck – 17.04.2026 -Egomanen – Die NGZ ist sicherlich in erster Linie ein Online-Magazin für Gladbeck. Umso dankbarer bin ich der Redaktion, dass sie mir zugesteht, auch mal über den Tellerrand des Lokalen hinauszusehen.
Ich suche eine Antwort auf die Frage: welche Typen maßen sich eigentlich an, uns zu regieren?
Anlass für mich ist der Regimewechsel von Victor Orban zu Peter Magyar in Ungarn. Welch ein Glück für das Land und für Europa, und damit auch für uns! Orban wurde vor 16 Jahren erstmals zum ungarischen Ministerpräsidenten gewählt, weil er seinen Landsleuten Freiheit und Wohlstand in einem goldenen Zeitalter versprochen hatte.
Anfangs brachte er maßgebliche Investoren ins Land, trat der EU und der NATO bei und zwang Putin, seine noch aus UdSSR-Zeiten in Ungarn stationierten Panzer abzuziehen. In Wahrheit hat er die junge Demokratie dann aber Schritt für Schritt in einen auf ihn persönlich ausgerichteten Unrechtsstaat umgeformt. Ergebnis: die Ungarn sind zu den ärmsten Europäern geworden.
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Zunächst war Putin der charismatischen Befreier
Die Russen haben Wladimir Putin 1999 als charismatischen Befreier von den Resten des Ostblocks gefeiert. In Wahrheit hat er Russland zu einer diktatorischen Monarchie gemacht, als wäre er der unkontrollierbare Herrscher ohne Gesetze und Grenzen. Er hat sich so zum reichsten aller Russen hochgegaunert. Heimliche Paläste und internationale Konten sind ihm wichtiger als diejenigen, die ihn noch vor zwei Jahrzehnten frei gewählt haben. Seine Gegner lässt er vom Balkon stürzen oder vergiften. Sein zum eigenen Ruhm inszenierter Überfall auf die Ukraine kostet unzähligen Menschen das Leben.
Die Liste von Politikern, die sich nur um sich und nicht um ihr Volk kümmern, ließe sich zwanglos fortsetzen. Erdoğan ist in der Türkei als konservativer, liberaler Bürgermeister von Istanbul gestartet. Heute veranstaltet er Schauprozesse gegen seine politischen Gegner und lässt sie für lange Jahre einsperren. Boris Johnson hat 2020 mit dem auf Lügengeschichten basierten Brexit aus lauter Selbstsucht dem United Kingdom schwersten wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Kaczinski in Polen hat das Land mit seiner PIS an den Rand einer Unrechtsstaates gebracht, bevor ihn die Wähler stoppen konnten. Und Donald Trump? Er hat die amerikanische Musterdemokratie mit einer maßlosen Überhöhung seiner Person in eine menschenfeindliche Autokratie verwandelt. Die wird nach Analysen von Fachleuten auch nach ihm nur noch sehr schwer zurückzubauen sein.
Egomanen mit übersteigerter Ich-Bezogenheit
All diesen Typen ist eines gemeinsam: Sie sind Egomanen. Das heißt: Sie sind getrieben von einer übersteigerten Ich-Bezogenheit. Sie stellen die ihnen selbst dienenden Aktionen und Ziele rücksichtslos über die Interessen aller anderen. Egomanen wollen vor allem Aufmerksamkeit für sich. Sie nutzen jede Gelegenheit, um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Ihre Arroganz kennt keine Kritikfähigkeit. Egomanie ist aber nichts anderes als ein schwer erkennbares und unterschätztes Krankheitsbild.
Egomane haben typische Aktionsfelder. Im Sport kämpfen sie über ihre mentalen und körperlichen Fähigkeiten hinaus für jeden sich bietenden Spitzenplatz, auch wenn sie sich selbst kaputtmachen. In Wirtschaftsunternehmen durchlaufen sie mit selbstsicherem Auftreten locker die üblichen Auswahlmechanismen. Oft zu spät merken Gesellschafter oder Aufsichtsräte erst anhand untrüglicher Kennzahlen, dass ihr einst hoch gelobter Vorzeigemann dem Unternehmen mehr schadet als nützt. Sie ziehen die Reißleine und lassen sich tragischerweise oft vom nächsten Aufschneider täuschen.
Von Wirecard-Bossen bis Bischof Tebarz van Elst
Beispiele dafür gibt es in Deutschland genug, nicht nur die Wirecard-Bosse oder Bischof Tebarz van Elst. Hartmut Mehdorn hat der Heidelberger Druck, der Deutschen Bahn und dem Berlin-Brandenburger Airport maximalen Schaden für Unternehmen und Steuerzahler zugefügt. Thomas Middelhoff hat Arcandor-Karstadt in den Ruin gefahren, er hat Millionen Euro und tausende Arbeitsplätze vernichtet. Typisch für ihr Krankheitsbild ist, dass Egomane Meister im Vortäuschen ihrer wahren Ziele sind. Sie werden deshalb oft viel zu spät erkannt und gestoppt. Wo immer sie auftauchen: sie schaden der Gesellschaft.
Ideal für Egomanen sind indessen die Frontpositionen der Politik, insbesondere, wenn die vorsätzlichen Blender eloquent und intelligent sind und ein attraktives Äußeres zur Schau stellen. Denn massenhaft Wählerstimmen sammelt eine Partei am ehesten mit kameratauglichen Kandidaten. Viele Wähler bewerten mit flotten Sprüchen garnierte, fröhliche Auftritte im Netz und vor Ort mehr als fundierte Argumente, Sachkunde und nachgewiesene Lebenserfahrung.
In „schwachen“ Parteien haben Egomanen beste Chancen
Besonders anfällig für egozentrische Blender sind politische Parteien, wenn sie durch ihre überkommene Programmatik und veränderte Rahmenbedingungen immer schwächer werden. Echte Spitzenleute sind für sie Mangelware, sie greifen bei der Talentsuche nach jedem Strohhalm. In dieser Gemengelage nutzen junge, dynamische, wortgewandte Wichtigtuer ihre Chance. Sie ersetzen eine solide Ausbildung, Lebens- und Berufserfahrung durch Aktionismus und multimediale Kurzauftritte. Sie stützen sich auf unbedachte Gremienbeschlüsse. Hauptsache, sie erreichen das für sich selbst gesuchte öffentliche Rampenlicht. Für die zu vergebende politische Aufgabe erforderliche, aber fehlenden Erfahrungen und Sachkompetenz blenden Beteiligte gern aus.
Meine herzliche Bitte: Egomane sollten frühzeitig erkannt und an die Leine genommen werden. Verantwortungsvolle Politiker und die Öffentlichkeit sollten ihnen wohlmeinende Leitplanken setzen, und zwar so früh wie möglich. Denn mit jeder Position, die Egomane auf ihrem Egotrip nach oben einnehmen, werden sie schlechter angreifbar. Sie nutzen ihre Position Stufe für Stufe immer weniger für die Sache, sondern auch, um Kritiker von oben herab wegzubeißen, wenn das für sie persönlich schadlos möglich ist.
Der typische Polit-Egomane hat keine langwierige Parteikarriere hinter sich. Bei öffentlichen Auftritten sucht er vorzugsweise die Nähe zu maßgebenden Politikern, weil er mit ihnen als unverdächtiges „Wirtstier“ schnell und billig eine eigene Plattform aufbauen kann. Vorzugsweise in den sog. sozialen Medien tritt er gern mit grenzwertigen Übertreibungen zu seiner Person auf. Er schmückt sich mit fremden Federn. Dabei verbrämt er seinen Beruf und seine Familie. Er kennt keine Grenzen. Sein Gehabe ist geprägt durch gehaltlose Reden und Äußerlichkeiten.
Egomane gehören nicht in Parlamente, sondern ins Wartezimmer von Fachärzten
Wer so auf der Ränkeleiter der Parteipolitik schnell und überraschend hochzuturnen versucht, sollte immer erst mal beweisen, welche sachlichen Fähigkeiten er hat, was er wirklich kann und was er aus dem zivilen Leben in die Politik mitbringt. Egomane gehören nicht in Parlamente, sondern ins Wartezimmer von Fachärzten. Im gesellschaftlichen Interesse brauchen die für Personalentscheidungen Verantwortlichen gegen schadenstiftende Egomanen einen wirksamen und für alle Beteiligten gut ausgebauten Schutz vor Übereilung.
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