Kangals aus Gladbeck sind keine Schmusekätzchen

Kangals aus Gladbeck sind keine Schmusekätzchen
Als dieses Tor nicht verschlossen war, nutzen den zwei Kangals die Gelegenheit, allein in den Nordpark zu laufen.

Lokalzeitung macht aus gefährlichen Hirtenhunden Schmusekätzchen

12.05.2022 – Kangals – Den türkischen Herdenschutzhunden, Hier den Newsletter bestellenden Kangals, sagt man nach, dass man sie morgens mit 100 Schafen in die Berge schicken kann und abends kommen sie mit 120 Schafen wieder zurück. Das ist aber auch schon alles, was man an den Tieren lustig finden kann. Im April sind zwei dieser riesigen Hunde ausgebüxt und haben im Nordpark den Labrador eines Rentners angegriffen. Der Mann wollte seinen Hund retten, stürzte und verletzte sich schwer.




Kangals legten 900 Meter allein zurück

Die zwei Hunde leben als Wachhunde auf einem Gerüstbaulagerplatz 200 Meter hinter dem Bahnhof-West. Ihre Aufgabe ist es, in Ermangelung von Schafen, auf das Gerüstbaumaterial aufzupassen. Der Lagerplatz ist rundherum mit einem hohen Zaun und Natodraht gesichert. Im April war das Tor nicht verschlossen, denn es ist nicht vorstellbar, dass die Hunde den Schließmechanismus betätigen können. Die zwei nutzen die Gelegenheit, den Weg zu gehen, auf dem sie häufig ausgeführt werden – Richtung Nordpark.

Kangal hinter dem Tor
Einer der Kangals, die bei einem „Ausflug“ in den Nordpark den Labrador eines Rentners angriffen.

Der „Spaziergang“ hätte in einer Katastrophe enden können

Ihr Weg führte über den Parkplatz links vom Bahnhof am Bahnhof-West vorbei. Dann passierten sie die Radstation. Weiter ging es den Rad- und Gehweg unter der Europabrücke hindurch. Dort besteht keine Fluchtmöglichkeit nach links oder rechts. Nun waren sie hinter dem Heisenberg-Gymnasium angelangt und schließlich ging es an der Beachvolleyball-Anlage vorbei. Nach insgesamt 900 Metern ohne Leine und ohne Aufsicht stießen die Kangals auf den Rentner mit seinem Labrador. Dort nahm das Unglück seinen Lauf.

Lokalzeitung spielt den Vorfall runter

Vor einigen Tage war in der örtlichen Zeitung zu lesen, dass es sich bei den Tieren um ganz liebe Schmusekätzchen handele. Die Tochter des Halters lobte die Tiere, sie seien äußerst lieb. Dann wurde auch noch auf die Tränendrüse der Hundeliebhaber gedrückt: eines der Tiere sei aus einer ganz schlechten Haltung gerettet worden.

Dass es diesen Artikel so gab, ist kein Wunder. Denn die Redakteurin hält selbst zwei gefährliche Hunde in ihrer Wohnung. Dabei handelt es sich um Rhodesian Ridgeback. Diese Hunde sind in Südafrika für die Löwenjagd gezüchtet worden. Bayern hatte die Ridgebacks 1992 als Rasse eingestuft, bei der die Eigenschaft als Kampfhund vermutet wird. 2002 wurde er von dieser Liste gestrichen, weil – so begründete das Innenministerium – nach einer Reihe von Überprüfungen von der ursprünglich vermuteten Gefährlichkeit nicht mehr ausgegangen werden könne.

Kangals gelten in zwei Bundesländern als Kampfhunde

In Hamburg und Hessen gelten die Kangals „als vermutlich gefährlicher Hunde“. Es muss im Einzelfall nachgewiesen werden, dass dem nicht so ist. Der Kangal stammt aus der türkischen Stadt Sivas. Diese in der Türkei beheimatete Hunderasse hat mit Abstand die stärkste Beißkraft aller Hunde. Mit 743 PSI ist der Kangal auf Platz 1 der Liste. Er übertrifft sogar einen Löwen, dessen Beißkraft bei 691 PSI liegt.

Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung

Gegen den 52-jährigen Hundehalter liegt jetzt eine Anzeige vor. Bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Richter sich nicht von den Lobeshymnen auf die lieben Tierchen, die den fragwürdigen „Spaziergang“ durch den Nordpark, bis hin zur Tauschlagstraße unternahmen, beeinflussen lassen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion (etwas tiefer)!


Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

7 Kommentare

  1. Die Kangals brauchen ´zig km2 Natur, Berge, Weiden und als Hirtenhunde ist in der Türkei ihre Aufgabe gegen Bären und Wölfe zu kämpfen. Sie werden in Kenya und in der Gegend sogar gegen Leoparden als Hirtenhunde artgerecht eingesetzt.
    https://www.youtube.com/watch?v=rYb0F3p0rj0
    Eingezäunt in der Stadt Kangals zu halten ist einfach kriminell und Tierquälerei. Eigentlich gibt es in der Türkei dafür strenge Ausfuhr Vorschriften. Aber was zählt schon in Erdogan-Land Gesetze und Vorschriften? Aber warum die deutschen Behörden hier auch mit machen ist schon mehr als bedenklich. Man kann ja die Kangals „beschlagnahmen“ und an die deutschen Bauern&Schafsherde Besitzer:innen weitergeben. Seit Jahren wird hysterisch geschrien und für die Ausrottung von Wölfen appelliert, wenn manchmal/selten Wölfe Schafe reißen. Manche vernünftige Hirten:innen in Deutschland haben sich für Haltung von Kangals entschieden, leider noch sehr selten.
    Eine schöne „Bio-Lösung“ Wahrscheinlich hoffe ich blöd daher, weil die Realität wird so aussehen: Die Kangals werden tatsächlich von den Behörden „beschlagnahmt“ und verrecken dann in Tierheim elendig.

  2. Ich bin auf meiner Obstwiese von den beiden Kangals meines Nachbarn zu Boden geworfen worden? Da waren die noch ziemlich jung, verspielt und gut gelaunt, sonst wäre ich wohl nicht mehr am Leben.

  3. Ich kriege auch immer die Krise, wenn Tierheime Kangals anpreisen, als wären es sanfte Familienhunde. Diese Hunde sind Arbeitshunde und brauchen extrem erfahrene Halter und eine Aufgabe!

  4. Kangals gehören nicht in die Stadt/Etagenwohnung. Die Hunde können nichts dafür. Die Halter sind verantwortlich. Leider wird diese Rasse früher oder später zum Problem in Gladbeck werden. Auf der Mottbruchhalde werden Kangalwelpen ohne Leine laufen gelassen. Wenn dann ein 8 Monate altes Riesenbaby auf ein zu galoppiert und man den Halter bittet den Hund anzuleinen, wird man als komische Frau betitelt. Mich würde es interessieren wie der KOD die Halter überprüft… oder wird nur eingegriffen, wenn es einen Zwischenfall gibt?

  5. Die Hundehalter sollten im Freien lediglich ihrer Verpflichtung nachkommen: anleinen !
    Und das wiederholte: der will doch nur spielen aus ihren Sprchschatz verbannen ! Tiere/Hunde gehören erzogen und nicht wie Kleinkinder behandelt,und verhätschelt !
    Aber hier spricht man gegen Wände: wenn man schon mitbekommt an der Fußgänger -Ampel;
    zum Hund “ jetzt ist rot jetzt müssen wir ! warten “ ; Platz oder Sitz heißt das !
    ABER ?
    ach ja, hatte auch mal mehrere Hunde nach einander, sind alle an Krebs o. Unfall eingegangen

  6. Kommentar auf Facebook:
    So etwas darf nicht passieren!
    Gehe oft mit Kinderwagen durch den Nordpark, wenn ich mir vorstelle auf diese Riesen zu stoßen, wird mir Angst und Bange….
    Natürlich würde ich mich als Mutter schützend vor meine Kinder stellen, aber was ist, wenn diese Tiere mit mir fertig sind???
    Ein Kind würde einen Angriff dieser Riesen nicht überleben…..
    Es sollte ein generelles Halteverbot für solche Hunde geben!
    Klar, ein Dackel oder Terrier kann auch zubeißen, aber gegen diese Tiere kommt man bei einem Angriff im Zweifel an….

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*