Uniper Kraftwerk soll an Gladbecks Grenze weiterlaufen

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Uniper Kraftwerk soll an Gladbecks Grenze weiterlaufen
Das Foto zeigt das Uniper Kraftwerk in Scholven wie es aktuell steht. Ende 2022 sollte es weitgehend verschwinden. Foto: NGZ

Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland machen die geplante Schließung zunichte

01.05.2022 – Uniper Kraftwerk – Einst galt das Steinkohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Buer-Scholven als eine der größten Dreckschleudern Europas. Damals lief es unter dem Namen VKR, hatte eine installierte Gesamtleistung von 3.406 MW und galt als eines der leistungsstärksten Steinkohlekraftwerke Europas. Die Anlagen produzierten noch 2016 4,1 Millionen Tonnen CO2.




Uniper Kraftwerk von 3.406 MW auf 760 MW reduziert

Heute hat das Kraftwerk noch eine Kapazität von 760 MW, also rund 20 % der Ursprungskapazität. Auch damit sollte Ende 2022 Schluss sein, zumindest mit der Kohleverbrennung. Auf die 302 Meter hohen Schornsteine und die fünf noch existierenden gewaltigen Kühltürme wartete die Abrissbirne. Trotzdem sollte auf dem Areal weiter Strom, Dampf und Fernwärme produziert werden und zwar mit Erdgas.

Diesem Plan hat nun zunächst der Ukrainekrieg und die damit verbundenen Sanktionen gegen Russland ein vorläufiges Ende bereitet. Deutschland will sich unabhängig vom russischen Öl und Gas machen. Das holen wir uns künftig stattdessen von arabischen Menschenrechtsverletzern und Unterstützern des internationalen Terrorismus. Dass unsere künftigen Gas-Lieferanten seit Jahren den schrecklichen Krieg mit hunderttausenden Toten im Jemen finanzieren, spielt ebenfalls keine Rolle.

Noch fehlt die gesamte Infrastruktur für das „neue“ Gas

Doch der moralische Hintergrund ist nur die eine Seite, ausschlaggebend wird die Kostenseite sein. Das Gas mag ja recht preiswert die Saudis verlassen, doch die gesamte Transportinfrastruktur per Schiff muss erstmals aufgebaut und finanziert sein. Ob es sich künftig in Scholven (bei neuen Preisen) lohnt Gas zu verbrennen, um Strom, Dampf und Fernwärme zu produzieren, steht noch in den Sternen.

Nicht von ungefähr wird jetzt darüber diskutiert, die Laufzeit der Steinkohleblöcke zu verlängern. Die dafür nötige Kohle kommt ebenfalls aus Übersee, zum Teil mit zweifelhafter Herkunft. Von 1974 bis 2003 verbrannte man in zwei Blöcken (G und H) auch Erdöl.

Uniper Kraftwerk schon immer in der Kritik vom Umweltschützern

Das Kraftwerk Scholven stand eigentlich immer wegen seiner hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Blei, Cadmium, Nickel, PAK, Dioxine und Furane) haften können, in der Kritik. Auf der Liste der „gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands“ rangiert das Kraftwerk Scholven daher auf Platz 8.

In den letzten Jahren geriet das Kraftwerk in die Kritik weil man dort riesige Mengen an Ölpellets aus der benachbarten BP-Raffinerie verbrannte. Was man dort aus Kapazitätsgründen nicht durch den Kamin jagen konnte, haben Kriminelle zum Teil in alten Kiesgruben in Schermbeck verbuddelt. Gerichte haben Manager von BP und einen Spediteur und Kiesgrubenbesitzer dafür verurteilt.

Manchmal spielt Moral doch eine Rolle.


Polizeibericht aus Gladbeck Mitteilungen der Stadt Gladbeck

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3 Kommentare

  1. Die populistische Aussage zum VKR Kraftwerk Scholven – „Einst galt das Steinkohlekraftwerk in GE-Buer-Scholven als eine der größten Dreckschleudern Europas“ stimmt so nicht.
    VKR war führend in der Rauchgasreinigung, z.B. Zitat „…1979 ging Block F (676 MW) ans Netz. Als erster Kraftwerksblock in Nordrhein-Westfalen verfügte dieser bereits über eine Rauchgasentschwefelungsanlage“ aus https://www.lwl.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Wirtschaft/Kraftwerk_Scholven. Auch die ersten Entstickungsanlagen (DeNoX) wurden von VKR wegweisend gebaut!
    Heute sind die Ansprüche, politisch und technisch, natürlich anders gelagert, und „glücklicherweise“ gibt es hier auch fast keine dreckige Koks- und Stahlindustrie mehr.

    • Trotz der vorbildlichen Technik, war das Kraftwerk aufgrund seiner Größe eine der größten Dreckschleudern. Platz 8 der Badlist.
      Ebenso verhält es sich mit dem Kraftwrk Datteln, das noch bessere Technik verbaut hat, aber um ein Vielfaches größer ist als das alte Dattelner Kraftwerk. Die Menge macht es eben.

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